Ein Gewächshaus hängt von vielen Faktoren ab – nicht nur von der Größe, dem Standort oder der Belüftung. Ein oft übersehener Aspekt ist die Verglasung. Häufig orientieren sich Hobbygärtner zuerst an der Lichtdurchlässigkeit und wählen reflexartig die klarsten Optionen. Dies mag zwar nachvollziehbar erscheinen, führt jedoch nicht automatisch zu optimalen Bedingungen für die Pflanzen. Im Gewächshaus spielen nicht nur die maximale Lichtmenge eine Rolle, sondern auch das Zusammenspiel von Lichtintensität, Wärmedämmeigenschaften, Bruchfestigkeit und Feuchtigkeitsregulierung.
Bei der Auswahl von Platten für ein Gewächshaus sollten Gärtner daher den ersten Eindruck nicht überbewerten. Die entscheidende Frage lautet nicht, welche Platte die meiste Lichtdurchlässigkeit bietet, sondern welche unter den tatsächlichen Bedingungen am jeweiligen Standort am sinnvollsten ist.
Lichtdurchlässigkeit ist wichtig, jedoch nicht das einzige Kriterium
Pflanzen benötigen ausreichend Licht. Das bedeutet aber nicht, dass eine möglichst transparente Bauform immer die beste Lösung ist. Zu viel direkte Einstrahlung kann im Sommer unangenehm warm werden und diffuses Licht verteilt die Helligkeit oft gleichmäßiger im Raum, als punktuell hartes Licht durch die Sonne. Bei den Gewächshausplatten zählt also nicht nur die Lichtdurchlässigkeit, sondern auch wie viel Licht durchgelassen wird. Klare Platten lassen viel Licht durch, verstärken aber auch die Hell Dunkel Zonen. Strukturierte oder mehrwandige Platten streuen das Licht stärker. Das vermindert zwar unter Umständen den Spitzenwert der Lichttransmission, sorgt aber oft für gleichmäßigere Verhältnisse im Bestand. Es lohnt sich also im frühen Planungsstadium ein genauer Blick in die Gewächshausplatten aus Polycarbonat zu werfen, weil bei diesem Werkstoff nicht nur die Transparenz, sondern auch Schlagfestigkeit, UV Schutz und die unterschiedlichen Stärken eine Rolle spielen. Polycarbonat findet im Gewächshausbau häufig Verwendung. Es gilt als schlagzäh, es gibt UV-geschützte Varianten und mehrwandige Ausführungen kommen mit besseren Dämmwerten als einfache profilierte Lösungen.
Die Plattenstärke beeinflusst nicht nur die Stabilität
Viele Gartenbesitzer setzen Stärke gleich mit Sicherheit. So einfach ist es nicht. Eine dickere Platte ist nicht in jedem Aufbau die bessere Wahl. Maßgeblich sind die Spannweiten, die am Standort auftretenden Lasten und die Unterkonstruktion.
Bei mehrwandigen Polycarbonatplatten nimmt in der Regel mit der Stärke die Wärmedämmung zu. Datenblätter zu Gewächshauslösungen zeigen, dass stärkere mehrwandige Platten bessere U Werte erreichen als dünnere Lösungen. Damit sinken die Wärmeverluste. Dies kann für die erste Aussaat, empfindliche Pflanzen und eine lange Saison wichtig sein. Zugleich steigt mit der Dicke der Platten in der Regel auch deren Gewicht und der Materialpreis. Ein häufiger Fehler ist also zu pauschalieren: 4 mm genügen immer oder 16 mm sind grundsätzlich besser. Ein kleines, unbeheiztes Hobbygewächshaus mit dem passenden Standort und Bau kann durchaus mit dünneren Platten auskommen. Für exponierte Lagen mit Schnee und Windlasten oder häufiger Hagelbelastung ist die Wahl mehr von Verstand geprägt. Die Hersteller weisen ausdrücklich darauf hin, dass die empfohlene Dicke von Wind- und Schneelast, Plattengröße und Lagerung abhängt.
Im Garten kommt es eher auf Robustheit an als auf Hochglanz
Was man jedoch bedenken sollte: Gewächshausflächen sind Witterungen ausgesetzt. Über Jahre hinweg prallen Hagel, Sturm, Temperaturschwankungen und UV-Belastungen auf das Material ein.Hier liegt der eigentliche Vorteil von Polycarbonat, und die technischen Angaben der Hersteller beschreiben es auch so – hoch schlagfest, oder nahezu unzerbrechlich – im Vergleich zu den klassischen Lösungen, die spröder sind.
Wer sich nur an möglichst gläsern gefallener Optik orientiert, übersieht meist zwei Probleme:
- wenig nützt große Transparenz, wenn die Platte dafür mechanisch anfälliger ist.
- ein Gewächshaus ist ja kein Schaukasten, sondern ein Nutzbau. Wichtig ist, ob die Eindeckung ihren Diensten im Alltag nachkommt, nicht ob sie beim ersten Blick gleich maximal klar ist.
Ein weiteres Thema ist das Kondenswasser. In Gewächshausgärten gebildeten geschlossenen Räumen bildet sich regelmäßig Feuchtigkeit. Entsprechend sind einige Polycarbonat-Systeme mit einer Art Kondensationskontrolle ausgerüstet, die der Tropfenbildung entgegenwirken soll. Das ist kein Nebenaspekt: Herabtropfendes Wasser kann Blattkrankheiten fördern und die Lichtausbeute vermindern.
